Dienstag, 5. Mai 2015

Eine Ode aufs Landleben oder meine Meinung zu Kinderfotos im Netz

Ich liebe das Landleben. Ich lebe mit meiner Familie in dem kleinen Dorf in dem ich schon aufgewachsen bin. Als Teenager wollte ich nur hier weg, wollte in die Anonymität einer Großstadt. Es ist sehr schwierig seine erste Zigarette hinter einer Häuserecke zu rauchen wenn einen jeder kennt oder sich auf einem Volksfest daneben zu benehmen wenn jeder an den Gesichtszügen ablesen kann zu welcher Familie man gehört.
Jetzt bin ich selbst Mutter und die Eltern der Freunde meines Sohnes waren mit mir schon im Kindergarten. Die Leute im Dorf erkennen meinen Sohn auf der Straße, wissen wo wir wohnen, erkundigen sich danach wie es uns geht.
Zudem haben wir noch ein Haus gekauft das 100 Jahre alt ist und gefühlt jeder der älteren Generation hat eine Geschichte dazu zu erzählen. Es muss eine sehr gesellige Familie gewesen sein, die hier früher gelebt hat.
Man kennt uns also, wir sind hier keine Unbekannten.

Wie sieht das auf dem Rest der Welt aus? 

Wenn man nach meinem Mann oder unserem Sohn googlet erhält man keinen Treffer der auf sie zutrifft, anders bei mir. Ich tummele mich gerne im Netz, auf sozialen Plattformen und seit neuestem blogge ich auch noch.
Computer waren bei meinem technikverliebten Vater schon früh ein Thema, deshalb war mein Kontakt mit diesem Medium sehr früh gegeben. Trotzdem bin ich sehr unbeholfen mit dem guten Stück und mein Interesse daran hält sich bis heute eher in Grenzen.
Seit einigen Jahren bin ich aber aktiv in sozialen Netzwerken und wer sich die Mühe macht und sich meinen Facebookaccount der Anfangsphase ansieht erkennt schnell wie unbedarft mein Umgang mit diesem öffentlichen Raum war. Es gibt Bilder von meinem Sohn, es gibt Angaben darüber wo ich mich aufhalte sogar zu welcher Zeit ich am Flughafen bin. Ein Einbrecher hätte leichtes Spiel gehabt, wenn er sich nur die Mühe gemacht hätte meine Pinwand zulesen.
Zu erst war es mein Mann der nicht mehr wollte das Bilder unseres Sohnes im Netz kusieren und diesem Wunsch bin ich nachgekommen. Nun bin ich inzwischen durch mein Hobby aktiver im Netz unterwegs als je zuvor, mein Bedürfniss nach Privatsphäre wuchs jedoch auch von Jahr zu Jahr. Wie ist das vereinbar? Gar nicht, sage ich. Wer sich in den öffenttlichen Raum Internet begibt muss ein Stück von sich preisgeben.
Nur welches Stück das kann jeder selbst entscheiden.

Ich bin in meinem Freundeskreis, meinem realen, die einzige die einen Facebookaccount hat. Ich bezweifle das irgendeine Mutter unsrer KiTa meinen oder irgendeinen anderen Blog liest. Wenn ich meine Inspirationsquelle preis gebe stoße ich oft auf fragende Gesichter. Pinterest, Instagram? Wie kann ich mir das vorstellen? Der Gesprächsfluss über diese Themen versiegt zu meist sehr schnell, so habe ich mir Gleichgesinnte im Netz gesucht und war dabei sehr erfolgreich. Das Volk der Kreativen und der Blogger ist ein hilfsbereites und kommunikatives Völkchen. Ich möchte mein Doppelleben im Netz nicht mehr missen.

Aber ich schweife ab, zurück zum Thema. Die Kinderbilder im Netz.


Ich habe für mich entschieden, das es zwar Kinder auf meinem Blog, und meinen anderen Seiten, geben wird, jedoch nur anonymisiert und komplett bekleidet (auch sehr wichtig, weil was bringt das geschwärzte Gesicht wenn das nackte Kind im heimischen Garten zu sehen ist und die Adresse liefere ich im Impressum gleich mit).
Auch wenn ich als Erziehungsberechtigte das Recht am Bild meines Kindes habe und somit entscheiden kann was damit passiert, finde ich es wichtig immer mit Weitblick an die Sache zugehen.
Wie hätte es mir gefallen wenn mein Teenagerschwarm schon vorm ersten Date Kinderbilder von mir googeln konnte? Im schlimmsten Fall mit Eisverschmiertem Mund oder in einem Outfit das damals vielleicht schrecklich süß war aber heute nur lächerlich aussieht (in unseren Familienalben gibt es solche Bilder).
Oder die fiese Tussi aus der Parallelklasse, stöbert mal eben im Netz und wühlt alte Bilder von mir zu Tage und eröffnet so den gefürchtetn Shitstorm mit passendem Bildmaterial, nicht auszudenken was dank Bildbearbeitungsapp noch alles geschehen kann. Ja, ich weiß ich steige gerade in meinen Helikopter ein um die Kontrollrunde über meine Kinder zudrehen, aber ist es nicht eine natürliche und berechtigte Angst?
Und ist mein Kind in irgendeiner Form eingeschränkt durch diese Angst? Hat es einen Nachteil wenn es keine Bilder von ihm im Netz gibt?

Dies ist meine persönliche Meinung und ich Verurteile niemanden der diesbezüglich anderer Meinung ist oder versuche vom Gegenteil zu überzeugen. Ich denke wir sind alle erwachsen und haben unseren Erziehungsstil gefunden oder finden ihn gerade noch. Das respektieren und akzektieren anderer Meinungen gehört zu meinem, deshalb lebe ich es auch so.

Ich freue mich über anregende Kommentare und scheue auch keine Diskussion solange sie die Regeln der Höflichkeit befolgt.

Eure Caroline

Kommentare:

  1. Von meinem Kind gibt es nur ganz wenige und geschützte Bilder. Wenn ich dran denke, was da alles passieren kann- Nein, Danke! Es gibt immerhin die Möglichkeit der Bildbearbeitung oder ich fotografiere ihn von hinten oder ich lass das Gesicht gleich aus dem Bildausschnitt. Ich hab für mich auch wie du entschieden, dass es einfach nicht sein muss.

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  2. Ich finde das muss man differenziert sehen. Ich schreibe auf meinem Blog beispielsweise unter einem Pseudonym und der Name meines Sohnes taucht nie auf. Es gibt aber Bilder von ihm - genauso wie von anderen Kindern, so dass es nicht so einfach nachzuvollziehen ist, welches mein Sohn ist. Und natürlich gibt es keine Nacktfotos von ihm online. Auf Facebook teile ich Kinderfotos nur mit engen Freunden und Verwandten. Habe auch mal zu dem Thema gebloggt: http://www.mamaclever.de/2015/05/was-man-ueber-baby-und-kinderfotos-im-netz-wissen-sollte/

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